საქართველო – Georgien (1)

Batumi, eine 180-Tausend-Einwohner-Stadt am Schwarzen Meer, ist ein Wissenschaftsstandort mit verschiedenen Universitäten.

Ich meide die großen Hotels und steige in einem kleinen Gasthaus ab. Das Frühstück ist – wie im Reiseführer lonely planet hervorgehoben – excellent, und das kommt mir gerade recht nach der Beköstigung an Bord des Frachters. Es werden Pancakes mit Soßen, anschließend Omelett, jede Menge Brot und selbstgemachte Kirschmarmelade gereicht. Dazu gibt es den „berühmten“ Nescafé im Schraubglas mit einer Kanne heißem Wasser.

Vier Iraner haben ebenfalls hier übernachtet. Sie machen Fotos in der Küche und draußen vor der Tür und bestehen darauf, dass ich auf jedem Foto dabei bin. Und die Wirtin sorgt für eine ganz herzliche familiäre Atmosphäre.

Gasthaus-Batumi-mit-Wirtin

Gäste aus dem Iran, neben mir die Wirtin

Tagsüber haben wir einen kräftigen Gewitterschauer.  Anderthalb Stunden lang gießt es in Strömen. Danach mache ich mich auf in die Stadt.

Europe-Square-Batumi

Europe Square, Batumi

Riesenrad-mit-Alphabetic-To

Riesenrad mit Alphabetic Tower

Mietfahrrad-mit-besonderem-

Mietfahrrad mit einem besonderen Antrieb

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag begegne ich Will, einem 24jährigen US-Amerikaner, der mit Fahrrad und Zelt reist. Wir beschließen, ein Stück gemeinsam zu fahren. Während der nächsten 50 km kommen wir ins Gespräch. Das macht Spaß, denn er hat ähnliche Ideen wie ich.

Seit Anfang 2012 ist er unterwegs, erst in Südamerika, dann in Afrika und schließlich in Nord- und dann in Südeuropa, alles mit dem Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln. Nun hat er sein Fahrrad von zu Hause schicken lassen und in Istanbul am Flughafen abgeholt. Sein Wunsch-Fernziel ist Malaysia, denn im Frühjahr 2014 muss er seine Reise beenden.

Bei Gulasch und Kartoffelbrei an einem Imbissstand auf unserer Tour hält ein Schweizer bei uns an, der „nur“ das Schwarze Meer umradeln will und sich mächtig freut, auf andere Radfahrer zu treffen.

Unterwegs stoppen wir am Archaeological-Architectural Museum-Reserve of the Castle of Petra.

Archaeological-Architectura

Zitadelle mit ehemaliger Basilika

In Grigoleti verabschiede ich mich von Will, denn er fährt weiter nördlich, während es für mich gen Osten geht. Unsere E-Mail-Adressen sind ausgetauscht, und wir werden womöglich zur selben Zeit in Tiflis sein. Mal sehen, ob wir uns dort wieder begegnen.

US-Amerikaner-Will

Mit Will bin ich eine Weile gemeinsam gefahren

In Lanchkhuti hole ich Geld bei einer Bank. Es sind 30° im Schatten. Unterwegs gönne ich mir aus einem kleinen Markt ein gekühltes Wasser und einige meiner restlichen „Frachterkekse“.

Kuh-auf-Straße

Freilaufende Kuh auf einer Hauptverkehrsstraße

Eine Kuh überquert zwischen den Ortschaften gemütlich die Straße; das ist hier nicht ungewöhnlich. Man sieht auch Ziegen, Schweine, Pferde …, alle nicht angepflockt oder „behütet“. Die Menschen fahren langsam an den frei laufenden Tieren vorbei.

 

 

Ich fahre über 60 km durch ein sehr breites Tal; noch bin ich nicht in den Bergen.

In Samtredia frage ich einen Taxifahrer, ob es ein Hotel gibt. Er vergewissert sich bei anderen, mit denen er im Freien sitzt und beschreibt dann den Weg über Handzeichen. Die Hochbrücke, die ich überqueren soll, zeigt er mir in der Ferne. Ich komme auf diesem Weg in die Stadt. Unter einem Baum auf einer Sitzgelegenheit sitzen mehrere Männer, eine Gruppe weiterer steht daneben. Der freundlichen Aufforderung, mich zu ihnen zu setzen – sie rücken zusammen, um eine Lücke für mich zu schaffen – komme ich nicht nach, denn ich suche ja zuerst einmal eine Unterkunft. Ein etwas besser gekleideter Mann mit Stoffhose und gebügeltem Hemd kommt zu mir, gibt mir erstmal die Hand und erklärt mir in gebrochenem Englisch, dass es ein Hotel gibt. Ich verstehe ihn nur schlecht, also kommt er ein Stück mit und zeigt mir den Weg.

Am Hotel, einem Eckhaus, angekommen finde ich keinen Eingang. Aber in der Nähe arbeitende Männer sehen mich bereits, und einer von ihnen springt auf, stellt sich in die Hofeinfahrt, winkt mir zu und bringt mich direkt zur Tür des Hotels!

Mein Fahrrad steht wieder einmal an der Rezeption im Haus und ist gut beaufsichtigt.  Die freundlichen Georgier sind einfach toll!

Als ich später gegen 18 Uhr aus der Stadt zurückkomme, fängt mich die Wirtin ab. Offenbar will sie mir deutlich machen, dass sie das Frühstück am Morgen auf dem Zimmer servieren wird. Ich sage ihr, dass das nicht nötig ist. Sie lässt sich aber nicht davon abbringen. Also spreche ich von Kaffee. In meinem Zimmer plane ich die weitere Route, bevor ich zum Abendessen das Haus verlassen werde. Es klopft nach einer Viertelstunde, und die Wirtin reicht mir ein Tablett mit Chatschapuri und einer Tasse Kaffee; das nenne ich mal ein gründliches Missverständnis!

Chatschapuri

Chatschapuri

Chatschapuri  ხაჭაპური ist eine Spezialität der georgischen Küche: ein überbackenes Käsebrot, das man hier als kleine Zwischenmahlzeit isst. Hefeteig wird ausgerollt, mit Eiern, Käse, saurer Sahne, Knoblauch und beliebigen weiteren Zutaten gefüllt, in einer Bratpfanne gebacken und nun noch mit Butter bestrichen.

 

 

Anschließend bin ich pappsatt. Das Essengehen hat sich grad erledigt!

Am Morgen, nachdem ich missverständlicherweise an der Rezeption erneut einen Kaffee bekomme, verlasse ich die Unterkunft, um frühstücken zu gehen. Auf dem Markt ist der Bär los, obwohl Sonntag ist. Ich suche längere Zeit nach Bananen, kaufe schließlich einige und auch Trinkwasser.

Als ich zurück in mein Zimmer gehen will, weist mich die Mitarbeiterin an der Rezeption darauf hin, dass mein Fahrrad schmutzig ist. Sie nimmt einen feuchten Lappen und putzt Schutzblech, Rahmen, Felgen, Gepäckträger … – ich gehe derweil mal meine Sachen zusammenpacken.

Mit dem frisch polierten Fahrrad geht’s weiter nach Kutaissi, mit 186-tausend Einwohnern die zweitgrößte Stadt Georgiens. Das Navigationsgerät will mich zu einem Hotel führen, aber ich fahre offenbar daran vorbei …  Ich frage einen Passanten, der sich aber nicht so genau auskennt. Dafür hält er einen Polizisten auf einem Roller an, der sich auch nicht ganz sicher ist. Deshalb stoppt dieser einen Streifenwagen, und seine Kollegen kennen die Straße. Der Polizist auf dem Roller fährt in angemessener Geschwindigkeit vor mir her, erkundigt sich noch bei einigen Männern auf der Straße und bringt mich dann zu dem Hotel. Ich beschließe, zwei Tage in der Stadt zu bleiben.

3 Gedanken zu „საქართველო – Georgien (1)

  1. Mirja

    Ach, seufz…Jetzt werde ich langsam neidisch!
    All die tollen Menschen, denen du unterwegs begegnest. Das Schönste am Reisen sind die Menschen, die man dabei trifft und die einen darin bestärken, dass medial geschaffene Vorurteile nichts weiter sind als solche.
    Ich wünsche dir weiter viele solcher Begegnungen und das es dir weiterhin so gut ergehen wird, dass du ihre Hilfsangebote niemals in Anspruch nehmen musst!
    Du siehst übrigens toll aus auf den Fotos, gar nicht wie ein alter Rentner =)
    1000 sehnsüchtige Grüße in die Ferne,
    Deine Mirja

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  2. Klaus

    Hallo Frank,
    es ist schön das du in Georgien so freundlich aufgenommen wirst. Es ist immer wieder eine Freude deine Berichte zu lesen. Anscheinend hast du das Desaster mit dem Schlamm und den schlechten Wegen in Bulgarien und der Überfahrt gut überstanden. Hoffentlich hast du auch weiterhin schönes Wetter, gute Straßen und nette Menschen die dir das „radeln“ in Georgien zu einer angenemen Tour werden lassen.
    Liebe Grüße
    Klaus

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  3. Adolf Timmermann

    Hallo, Frank,
    vielen Dank für deine Berichte über Georgien und das Schwarze Meer. Du erfährst ja Abwechslung in jeder Menge. Aber alles läuft gut. Kleine oder größere Überraschungen – welcher Art auch immer – können dich nicht mehr aus der Bahn werfen. Die Begegnung mit fremden Menschen, die ungewohnte Esskultur, Verständigungsswierigkeiten und Pannen bewältigst du inzwischen mit Routine. So langsam scheinst du dich der fremden Umgebung anzupassen.
    Hier geht alles seinen nach Plan. Das Schuljahr nähert sich dem Ende und wir befinden uns in der „heißen Phase“. Danach beginnt auch für mich ein neuer Lebensabschnitt.
    Nun wünschen wir dir weiterhin eine fröhliche und unbeschwerte Reise. Wir freuen uns wieder auf deine nächsten Nachrichten.
    Viele Grüße von deiner Wietzenbronxer Fan-Gemeinde

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