Neuseelands Südinsel (3) – Die Westküste

Die wilde und ursprüngliche West Coast umfasst ein 23.000 Quadratkilometer großes Gebiet, in dem nur etwa 33.000 Menschen leben und ist damit die am dünnsten besiedelte Region Neuseelands. Da es nur drei Pässe über die Südalpen gibt, ist die West Coast vom übrigen Land recht isoliert. Ihre Einwohner werden von den Kiwis als Coasties bezeichnet und stehen im Ruf, aus hartem Holz geschnitzt zu sein, skurril und trinkfest; ihre Vorfahren waren Goldgräber und Bergarbeiter.
Ebenso urtümlich wie die Menschen ist die Landschaft. Statt sanfter Wellen schlägt hier eine wütende Brandung auf die langen Strände, und zum Baden ist es meist zu gefährlich.

Blick auf zerklüftete Küstenlandschaft am Knights Point

Blick auf zerklüftete Küstenlandschaft am Knights Point

Zudem ist das Baden auch an geschützten Küstenabschnitten wegen der allgegenwärtigen Sandflies nicht empfehlenswert; sie stürzen sich nämlich sofort in großen Schwärmen auf jeden potentiellen Blutlieferanten. Ihre Bisse, die uns trotz regelmäßigen Einsprühens mit einem Antiinsektenmittel mehrfach erwischen, übertragen keine Krankheiten, aber jucken wie verrückt, sodass ein Aufkratzen nur unter äußerster Selbstdisziplin unterbleiben könnte …

Winzige Sandfliege an meiner Wade

Winzige Sandfliege an meiner Wade

Die regenbringenden Westwinde versorgen die Küste mit jährlich sieben bis neun Metern Niederschlag! Auf den Berggipfeln erreicht dieser sogar bis zu 15 Metern und die Gletscher werden mit reichlich Nachschub versorgt, was dazu führt, dass der Fox- und der Franz-Josef Gletscher bis auf eine Höhe von etwa 200 Metern ins Tal und damit nahe an die Westküste hinab reichen. Aber neben dem kübelartigen Regen, bei dem Wasserfälle direkt neben der Küstenstraße hinabstürzen und unter dieser hindurch ins Meer geleitet werden, scheint auch die Sonne oft und lange.

An Broccoli erinnernder dichter Bewuchs

An Broccoli erinnernder dichter Bewuchs

Nach einer Übernachtung in Haast geht es nördlich entlang der Küste weiter, und das dichte Buschwerk sieht aus wie von einem Landschaftsgärtner geschaffen.

Benannt ist der Ort Haast nach dem deutschen Geologen und  Naturforscher Julius von Haast, 1822 in Bonn geboren und 1887 in Christchurch gestorben. Mit seinen Forschungsergebnissen in den Südlichen Alpen wurde von Haast zum ersten anerkannten professionellen Wissenschaftler Neuseelands.

Fischreicher Lake Moeraki

Fischreicher Lake Moeraki

Kapitaler Lachs mit beeindruckendem Gebiss

Kapitaler Lachs mit beeindruckendem Gebiss

Vom Lake Moeraki aus machen wir einen Fußmarsch durch einen wunderschönen Wald mit uralten Baumriesen zu einem Strand, an dem mit Glück Dickschnabelpinguine beobachtet werden können.

Weg in den Wald

Weg in den Wald

Fußweg zum Strand

Fußweg zum Strand

Dichter Bewuchs

Dichter Bewuchs

Umgestürzter Baumriese

Umgestürzter Baumriese

Am pinguinfreien Strand

Am pinguinfreien Strand

Die Dickschnabelpinguine sehen wir nur auf diesem Infoschild ...

Die Dickschnabelpinguine sehen wir nur auf diesem Infoschild …

Unser nächster Stopp liegt im Westland National Park, der seit 1990 zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört. Wir planen einen kurzen Aufstieg zum Fox-Gletscher.

Im Tal am Fox River

Im Tal am Fox River

Der markierte Weg führt durch instabiles Terrain, was gelegentliche Sperrungen und Umwege zur Folge hat, aber wir haben Glück.

Wir überqueren einige kleinere Bäche

Wir überqueren einige kleinere Bäche

Der Fox Glacier und sein Nachbar Franz-Josef Glacier gehören zu den wenigen Gletschern weltweit, die bis in den gemäßigten Regenwald vordringen.

Der Weg führt durch ein schroffes Tal

Der Weg führt durch ein schroffes Tal

Am Fox Glacier

Am Fox Glacier

Das Wasser des Fox-Gletschers fließt  über den Fox River in die Tasmanische See. Während des letzten Jahrhunderts verzeichnete dieser Gletscher starke Verluste. Von 1985 bis 2007 dehnte er sich aus, seit 2009 schmilzt er aber wieder. Der Grund für diese Schwankungen liegt offenbar in der hohen Geschwindigkeit von Fox- und Franz-Josef-Gletscher. So schiebt sich der Fox-Gletscher mit einem Meter pro Woche vorwärts. Durch ihre Lage an der niederschlagsreichen Westküste können die beiden Gletscher schnell wachsen. Gleichzeitig reichen die Gletscherzungen bis in sehr tiefe und recht warme Lagen, so dass sie sich bei steigenden Temperaturen auch rasch zurückziehen.

Plätschernder Gebirgsbach

Plätschernder Gebirgsbach

Schneebedeckte Berggipfel am Mount Cook

Schneebedeckte Berggipfel am Mount Cook

Der Franz-Josef-Gletscher befindet sich 25 Kilometer weiter nördlich. 1865 wurde er von Julius von Haast nach Franz Josef I. von Österreich benannt. Auch dieser Gletscher wird aus den Gipfelregionen der Südalpen gespeist, seine Abflüsse fließen über den Waiho River in die Tasmanische See. Wie bei allen Gletschern der Erde verschiebt sich auch die Gletscherzunge des Franz-Josef-Gletschers in immer größere Höhen. Allerdings kommt es auch immer wieder zu Phasen des Wachstums, in denen der 13 Kilometer lange Gletscher an Länge zunimmt.
Der sechs Kilometer lange Pfad zum Gletschertor ist oft wegen Unpassierbarkeit gesperrt. Nebel steigt auf und leichter Sprühregen setzt ein, sodass wir uns auf einen kurzen Fußmarsch bis zum Sentinel Rock beschränken, der einen spektakulären Ausblick auf den Gletscher erlauben soll.

Tal mit Waiho River, im Hintergrund der Franz-Josef Glacier

Tal mit Waiho River, im Hintergrund der Franz-Josef Glacier

Dummerweise zieht es bereits so stark zu, dass kaum noch etwas zu sehen ist.

Übernachten im schönen Franz Josef Rainforest Holiday Park

Übernachten im schönen Franz Josef Rainforest Holiday Park

Wir bleiben eine Nacht hier, in der Hoffnung, dass es am folgenden Tag aufklart. Doch daraus wird nichts, es regnet sich ein. Und so müssen wir leider unseren Plan, mit einem Glacier Helicopter die Gletscher von oben zu sehen, streichen.

Glockenturm in der Hauptstraße von Hokitika

Glockenturm in der Hauptstraße von Hokitika

Hok, wie die Stadt Hokitika von ihren Bewohnern genannt wird, begann 1864 als Goldgräberstadt. Heute hat die Stadt mit ihren Westland Milk Products eine Monopolstellung in der nördlichen Westküste, und man feiert gerade das 150jährige Bestehen.

Lake Brunner

Lake Brunner

Der Lake Brunner ist mit 40 Quadratkilometern der größte See der nordwestlichen Südinsel. Entstanden ist er aus einer Gletschermulde, die sich mit Wasser gefüllt hat.

Brunner Mine

Brunner Mine

Die Brunner Mine war eine Kohlemine und liegt am Ufer des Grey River. Als der Deutsche Thomas Brunner die Mine 1848 entdeckte, hatte er noch keine Ahnung davon, dass die Brunner Mine eine der bedeutendsten in ganz Neuseeland werden würde, denn die Kohle war von extrem hoher Qualität. Die Mine wurde bis in die 1960er Jahre betrieben.

Raue Westküste bei Greymouth

Raue Westküste bei Greymouth

Stormy West Coast

Stormy West Coast

Typisches Warnschild an einem Parkplatz

Typisches Warnschild an einem Parkplatz

An den Pancake Rocks

An den Pancake Rocks

Pancake Rocks

Pancake Rocks

Die Pancake Rocks nördlich von Greymouth im Paparoa-Nationalpark, direkt an der Tasmanischen See gelegen, sind eine Felsformation, deren Felsen wie übereinander geschichtete Eierkuchen aussehen, wodurch sie zu ihrem Namen kamen.
Die Gesteinsschichten erodierten in –zig Millionen Jahren unterschiedlich schnell. Eine Landhebung brachte diese Schichten an die Oberfläche, wo sie Wellen, Wind und Regen ausgesetzt sind, was zu einer stetigen Abtragung beiträgt.

Becken in den Gesteinsschichten

Becken in den Gesteinsschichten

Das Wasser der tosenden und spritzenden Brandung bricht sich an den Höhlen und Ausspülungen und drückt zurückfließendes Wasser und durchströmende Luft durch enge Felslöcher und -röhren, was oberhalb der Felsen als Blowholes sichtbar und durch lautes Zischen hörbar wird.

Faszinierende Gesteinsschichten

Faszinierende Gesteinsschichten

Ganz nah dran

Ganz nah dran

Flachspflanzen links und rechts des Weges

Flachspflanzen links und rechts des Weges

Gefährlicher Strand

Gefährlicher Strand

Ein Hinweisschild informiert den Besucher: WARNING: Most oft the beaches within the Buller District are considered to be dangerous to swimmers. Strong rips and undertows are common. THIS BEACH IS DANGEROUS!

Auch hier kein Pinguin weit und breit

Auch hier kein Pinguin weit und breit

Zehn Kilometer westlich der Stadt Westport befindet sich das Cape Foulwind; hier machen wir eine kleine Wanderung zu einer Robbenkolonie.

Faulenzende Robben

Faulenzende Robben

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