Südliches Patagonien – Von Punta Arenas zum Lago Argentino

Ich bleibe zwei Tage in Punta Arenas, der Stadt mit 118.000 Einwohnern. Neben einer chilenischen SIM-Karte benötige ich mindestens einen neuen Fahrradspiegel, denn während der Busfahrt ist der zweite Spiegel irreparabel unten am Sockel abgebrochen.

Blick auf die Magellanstraße in Punta Arenas

Blick auf die Magellanstraße in Punta Arenas

Die chilenische Kolonie Punta Arenas wurde 1848 gegründet.
Sie diente zunächst als Strafkolonie, später dann als Freihafen, der durch die Entdeckung von Steinkohle und die Einführung von Schafen durch Engländer immer wichtiger wurde.
Die Stadt war, die Magellanstraße überblickend, Station einer der wichtigsten Handelsstraßen der Erde, und so war ihr Reichtum fast völlig von den Händlern dieser Handelsroute abhängig.
Nachdem der Panamakanal eröffnet wurde, verlor der Hafen seine Bedeutung.

Rathaus

Rathaus

Magellan-Denkmal auf der Plaza de Armas

Magellan-Denkmal auf der Plaza de Armas

Als ich von Punta Arenas schon 50 Kilometer nordwestlich geradelt bin, weiche ich auf den Schotter aus, um einem von hinten kommenden Pick-up Platz zu machen, denn der Gegenverkehr sorgt für eine schmale Fahrbahn. Der Fahrer deutet beim Überholen auf die freie Ladefläche und bietet mir eine Mitfahrgelegenheit an, die ich dankend annehme.

Frei lebender Darwin-Nandu

Frei lebender Darwin-Nandu

Der Darwin-Nandu ist etwa 90 Zentimeter groß und wiegt 15 bis 25 Kilogramm. Neben Bolivien ist der Süden Argentiniens und Chiles sein wichtiges Verbreitungsgebiet.

Durch die Mitfahrgelegenheit erreiche ich bereits heute Puerto Natales – nach mehr als 290 Kilometern.

Puerto Natales

Puerto Natales

Kirche von Puerto Natales

Kirche von Puerto Natales

Puerto Natales wurde 1911 gegründet und hat einen eigenen Flughafen. 19.000 Einwohner zählt die kleine Hafenstadt. Für mich bildet sie die Ausgangsbasis für eine Kleinbus-Exkursion in den 140 Kilometer entfernten Parque Nacional Torres del Paine.

Am Lago del Toro, im Hintergrund der höchste Berg im Nationalpark, der Cerro Paine Grande mit 3050 Metern

Am Lago del Toro, im Hintergrund der höchste Berg im Nationalpark, der Cerro Paine Grande mit 3050 Metern

Der Nationalpark Torres del Paine, gegründet 1959, ist einer der bekanntesten Nationalparks Chiles.
Das indianische Paine bedeutet „himmelblau“, also Türme des blauen Himmels.
Der Nationalpark ist durchzogen von bis zu fast 3000 Meter hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen.

Die „Torres del Paine“,  drei nadelförmige Granitberge mit bis zu 2850 Metern Höhe, sind das Wahrzeichen des Nationalparks

Die „Torres del Paine“, drei nadelförmige Granitberge mit bis zu 2850 Metern Höhe, sind das Wahrzeichen des Nationalparks

Es ist so stürmisch am "blue massif", dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann

Es ist so stürmisch am „blue massif“, dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann

Lago Nordenskjöld

Lago Nordenskjöld

Auf dem Weg zum Wasserfall stürmt es dermaßen, dass ich einer zierlichen japanischen Mittvierzigerin, die sich nicht traut aus dem Bus zu steigen, meine Hand anbiete. Sie nimmt sie gern an, und gemeinsam kämpfen wir uns vorwärts.

Tosender Wasserfall des Rio Paine

Tosender Wasserfall des Rio Paine

Auf dem Rückweg ist kurz Windstille, sodass wir uns loslassen. Plötzlich kommt eine heftige Böe und erfasst die Japanerin; sie macht drei, vier Stolperschritte und fliegt förmlich an mir vorbei, so unerwartet, dass ich nicht schnell genug reagieren kann. Sie stürzt und lädiert sich Stirn, Wange, Hände, Knie … – das tut mir wahnsinnig Leid. Am Bus wird sie erst einmal versorgt.

Nach dem Schreck ...

Nach dem Schreck …

The blue massif

The blue massif

Etwa 25 Kilometer nordwestlich vor Puerto Natales befindet sich die Cueva del Milodón; das ist eine 200 Meter lange Höhle, benannt nach dem prähistorischen Mylodon (Riesenfaultier), das der deutsche Abenteurer Hermann Eberhard 1895 in dieser Höhle fand.

Cueva del Milodón

Cueva del Milodón

Am Eingang der Höhle steht ein Denkmal, das ein Milodón in seiner ursprünglichen Größe zeigt

Am Eingang der Höhle steht ein Denkmal, das ein Milodón in seiner ursprünglichen Größe zeigt

Fantastische Landschaft

Fantastische Landschaft

Die nächsten beiden Fahrradtage über Cerro Castillo nach Tapi Aike zeichnen sich durch Sonnenschein und Rückenwind aus.

Erneute Einreise nach Argentinien

Erneute Einreise nach Argentinien

Tapi Aike besteht aus einer Tankstelle und einer alten Polizeistation; daneben stehen Anhänger mit gratis Schlafgelegenheiten, von denen ich eine nutze …  Im Gebäude gibt es einen Gasherd, auf dem ich mir Kaffee und Suppe koche.

Übernachten in Tapi Aike

Übernachten in Tapi Aike

Weiter geht es nach El Cerrito; das bedeutet 66 Kilometer harte Arbeit auf Schotterpiste, und abends erwische ich an einer Art Lkw-Raststätte eine miese Unterkunft in einer Wellblechhütte ohne Strom, Wasser und Gas.

Energiefreier Schlafplatz in Wellblechhütte

Energiefreier Schlafplatz in Wellblechhütte

Die Frage nach einem Bier wird verneint – Mist! Doch nachdem ich eine Weile im Licht der untergehenden Sonne in der Tür der Hütte sitze, kommt einer der Lkw-Fahrer, zieht aus seiner Hosentasche eine kühle Dose Bier und reicht sie mir.

Sonnenuntergang, gesehen vom Eingang der Wellblechhütte

Sonnenuntergang, gesehen vom Eingang der Wellblechhütte

Der Weg nach El Calafate ist nicht zu schaffen! Es herrscht ein dermaßen starker Sturm, dass ich mein Fahrrad mit ausgestreckten Armen seitlich schiebe, um nicht durch die nächste Böe darüber zu fallen. Immer wieder lege ich Pausen hinter Straßenschildern, an die ich das Rad lehne, ein, um geschützt vor dem Sturm zu sein. So lege ich ganze zehn Kilometer zurück, als ein freundlicher Zahnarzt mit seinem Renault hält. Mein Gepäck rödeln wir ab, lösen die Lenkstange, um sie zu drehen, und so passt alles in seinen Kofferraum, der bereits einen Rasenmäher beherbergt.

Dieser nette Renaultfahrer nimmt mich 85 Kilometer mit

Dieser nette Renaultfahrer nimmt mich 85 Kilometer mit

Vor uns liegt El Calafate

Vor uns liegt El Calafate

El Calafate hat etwa 12.000 Einwohner und ist Ausgangspunkt für den Nationalpark Los Glaciares am Fuße der Anden.

Mit dem Katamaran geht es hinaus auf den Lago Argentino

Mit dem Katamaran geht es hinaus auf den Lago Argentino

Lago Argentino, vor einem Gletscher

Lago Argentino, vor einem Gletscher

Der Lago Argentino ist etwa dreimal so groß wie der Bodensee. Er ist der größte See in Argentinien und über 15.000 Jahre alt. Gespeist wird er von mehreren Gletschern, darunter dem größten Gletscher Südamerikas, dem Upsala-Gletscher. Der Lago Argentino entwässert über den Río Santa Cruz in den Atlantik. Die Gletscherzungen des südlichen Eisfeldes münden an mehreren Stellen in den See.

Vor dem Upsala-Gletscher

Vor dem Upsala-Gletscher

Abgebrochener Eisberg

Abgebrochener Eisberg

Ein Gletscher-Eisbrocken wird aus dem See gefischt und später den Whisky kühlen ...

Ein Gletscher-Eisbrocken wird aus dem See gefischt und später den Whisky kühlen …

Der Lago Argentino ist Teil des Nationalparks Los Glaciares.

3 Gedanken zu „Südliches Patagonien – Von Punta Arenas zum Lago Argentino

  1. Adolf Timmermann

    Hallo, Frank! Danke für deinen Bericht aus dem südlichen Patagonien mit Sturm und Eis und mit ohne Bier.
    Hier wird es langsam Frühling, Auf dem Brocken soll noch ein Meter Schnee liegen, aber der Wasa-Lauf hat stattgefunden und die Leine-Frühlingsfahrt der Kanuten. Also, langsam geht es los. Heute soll es bis zu 15 Grad warm werden, in einigen Gegenden bis zu 20 Grad.
    Viel Freude, Erfolg und tolle Anblicke weiterhin wünschen dir die Wietzenbronxer Leni, Adolf, Kathrin und Felis

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  2. Chris

    Aloha Frank,
    schön von Dir zu hören. Deine Sorgen bezüglich des starken patagonischen Windes waren offenbar sehr berechtigt. Es freut mich sehr dass Du bisher unbeschadet durchgekommen bist. Aus München wünsche ich Dir viel Erfolg auf Deiner aktuellen Reiseetappe-

    Viele Grüße
    Chris

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  3. Heidi

    Hallo Frank,
    danke, dass du mir den Link zu deinem Interessanten Blog gegeben hast. Inzwischen habe ich auch den 1. Eintrag genau studiert und habe sogar ein paar Fragen an dich wenn wir uns in Coyhaique wieder sehen! 😀 Bis dahin weiter eine gute Fahrt!
    Heidi

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