Rīga

Auf dem Weg von der Kurischen Nehrung nach Rīga verlassen wir bald die Route entlang der Küste, um den Berg der Kreuze nahe der Stadt Šiauliai zu sehen. Auf einem neun Meter hohen Hügel drängen sich hunderttausende Kreuze in allen nur erdenklichen Formen und Größen. Die ersten Kreuze wurden im 19. Jahrhundert nach den Aufständen gegen die Russen aufgestellt – für die im Kampf gefallenen Litauer. Leider boten Russland und später die Sowjetunion noch oft Anlass, litauischer Opfer zu gedenken. Mehrfach ließen die sowjetischen Machthaber diese Stätte nationalen Gedenkens einebnen, doch die Litauer trugen in den 1980er Jahren mehr Kreuze als je zuvor hierher – der Wille zur Unabhängigkeit und die tief empfundene Religiosität zeigen sich hier eindrucksvoll.

Berg der Kreuze

Berg der Kreuze

Von Litauen nach Lettland

Von Litauen nach Lettland

Grenzkontrollen gibt es nicht, und fehlten die Schilder, würden wir den Wechsel von dem einen ins andere Land gar nicht bemerken.

Seitdem Lettland 1991 die Unabhängigkeit wiedererlangte, ist Rīga die Hauptstadt der lettischen Republik und mit fast 700.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums. Die Fülle von Architekturdenkmälern aller Epochen und Stile ist faszinierend.
Berühmt ist das prunkvolle Jugendstilviertel um die Alberta iela und die sorgfältig sanierte Altstadt, die seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

In der Alberta iela

In der Alberta iela

Mariendom

Mariendom

Dominierendes Bauwerk auf dem zentralen Domplatz ist der Mariendom, eine gewaltige Backsteinkirche und der größte Sakralbau des Baltikums.

Ausstellung UNITED BUDDY BEARS im Juli und August am Mariendom

Ausstellung UNITED BUDDY BEARS im Juli und August am Mariendom

Die UNITED BUDDY BEARS werben auf ihrer Welttournee für Toleranz und Verständigung zwischen den Völkern. Mehr als 140 Buddy Bären repräsentieren die Länder.
Die Ausstellung in Rīga ist ein Geschenk Deutschlands an die Bürger Lettlands anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Staatsgründung.
Durch Spenden und Versteigerungen konnten bislang mehr als 2 Millionen Euro für UNICEF und lokale Kinderhilfsorganisationen generiert werden. Hier vor Ort wird die Stiftung des Kinderkrankenhauses Rīga unterstützt – eine tolle Sache!

Der deutsche Beitrag

Der deutsche Beitrag

Bevor wir uns am nächsten Tag in die Altstadt begeben, suchen wir ein Medical Center auf. Mein Auge, das bereits zu Beginn der Reise gerötet war, schwillt mehr und mehr zu, und ich muss jetzt was dagegen unternehmen.

Freiheitsdenkmal

Freiheitsdenkmal

Auf dem Weg in die Neustadt kommen wir am Freiheitsdenkmal vorbei, das 1935 aufgestellt wurde. Die “Mutter Lettlands“ hält drei Sterne für die drei Landesteile Kurzeme, Vidzeme und Latgale in den Himmel. Dass die 42 Meter hohe Statue noch steht ist beachtlich, war sie doch den Sowjets stets ein Dorn im Auge.
1987 fand hier eine den Opfern des stalinistischen Terrors gewidmete Kundgebung statt – mit 5000 Menschen die größte nicht genehmigte Versammlung in der Geschichte Sowjetlettlands.

Als wir in der Klinik ankommen, muss ich mich registrieren lassen und 35 Euro bezahlen. Ohne Termin, den ich ja nicht habe, warten wir vor dem Sprechzimmer einer Augenärztin, die nur unangemeldete Patienten behandelt. Einer ersten Untersuchung des Auges folgt nach dem Weittropfen der Pupille eine zweite, und sie verschreibt mir Augentropfen, die ich unten im Haus in der Apotheke kaufe. Nach eineinviertel Stunden bin ich nach gründlicher Behandlung fertig – wow!
Unsere Sightseeing-Tour kann beginnen.

Wir schlendern durch großzügige Parkanlagen und  an der großen Straße Elizabetes iela entlang und entdecken dabei außerhalb der Altstadt Sehenswertes.

Nationalmuseum für Kunst am Park Esplanāde

Nationalmuseum für Kunst am Park Esplanāde

In dem Kunstmuseum findet sich die bedeutendste Sammlung lettischer Kunst, mehr als 50.000 baltische und russische Werke von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis heute.

Monika Centrum Hotel in einem neugotischen Gebäude

Monika Centrum Hotel in einem neugotischen Gebäude

Interessantes Kunstobjekt ohne Namen, das Dampf ausstößt

Interessantes Kunstobjekt ohne Namen, das Dampf ausstößt

Rīgaer Schloss

Rīgaer Schloss

Direkt neben dem Fluss Daugava liegt das Schloss. Nachdem die selbstbewussten Rīgaer Bürger 1297 ihre Burg im Zentrum der mittelalterlichen Altstadt zerstört hatten, errichteten die Ordensritter ihre neue Residenz außerhalb der Stadtmauern. Nachdem die Bürger 150 Jahre später erneut gegen die Macht der Ordensritter rebellierten, wurde das schwer beschädigte Schloss um den mächtigen Heiliggeistturm und den Bleiturm ergänzt, die bis heute die Anlage akzentuieren. Das Schloss ist Sitz des lettischen Staatspräsidenten.

Nationalbibliothek

Nationalbibliothek

Die lettische Nationalbibliothek liegt auf der anderen Seite der Daugava und wurde 1919, ein Jahr nach der Unabhängigkeit Lettlands, gegründet. Der Neubau stammt aus dem Jahr 2015.

Historische Gebäude in einer Nebenstraße in der Altstadt mit Lastenzug

Historische Gebäude in einer Nebenstraße in der Altstadt mit Lastenzug

"Drei Brüder"

„Drei Brüder“

In Domnähe findet man drei Häuser, die sich aneinanderschmiegen und die „Drei Brüder“ genannt werden – in Anlehnung an die „Drei Schwestern“ in der estnischen Hauptstadt Tallinn.

Bienenfreundliche Anlage vor der Petrikirche

Bienenfreundliche Anlage vor der Petrikirche

Die Bremer Musikanten

Die Bremer Musikanten

Vor der Petrikirche befindet sich die Skulptur der Bremerin Christa Baumgärtel, die zur Zeit der von Michael Gorbatschow begonnenen Perestroika entstand und 1990 ein Geschenk der Rīgaer Partnerstadt Bremen war.
Politische Stereotypen werden mit Humor überwunden: die bronzenen Helden schauen nicht durch das Fenster eines Hauses auf ein Räubergelage, sondern mit erstaunten Grimassen durch einen Spalt des Eisernen Vorhangs auf eine Welt, die ihnen bisher vorenthalten war.

Turm der Petrikirche

Turm der Petrikirche

Der Turm der Petrikirche war mit 136 Metern im ausgehenden 14. Jahrhundert der höchste der Stadt und löste in Rīga einen Wettstreit aus. Daher ließ der Bischof den Turm des Mariendomes nachträglich um zwei Geschosse aufstocken. Der Turm der Petrikirche brach jedoch 1666 zusammen und wurde durch einen neuen mit offener Galerie ersetzt. Mit dem Lift fahren wir nach oben, um das Panorama der Stadt aus 121 Metern Höhe zu genießen.

Blick auf den Mariendom, das dahinter liegende Schloss und die Daugava

Blick auf den Mariendom, das dahinter liegende Schloss und die Daugava

Das Freiheitsdenkmal von oben, dahinter eine russisch-orthodoxe Kirche und die Bausünde Radisson blu

Das Freiheitsdenkmal von oben, dahinter eine russisch-orthodoxe Kirche und die Bausünde Radisson blu

Wieder unten angelangt nehmen wir die weitere Stadterkundung auf inzwischen vertrauten Wegen auf und gelangen zum Rathausplatz.

Rīgaer Rathaus und Schwarzhäupterhaus mit dem Roland

Rīgaer Rathaus und Schwarzhäupterhaus mit dem Roland

Am Rathausplatz fällt weniger das nach Plänen von 1750 wieder aufgebaute Rathaus ins Auge als das berühmte Schwarzhäupterhaus mit dem hohen Giebel und der schmucken Backsteinfassade. Dabei handelt es sich um eine glänzende Rekonstruktion. Das Schwarzhäupterhaus wurde bei deutschen Bombenangriffen 1941 völlig zerstört und erst zum 800sten Geburtstag Rīgas 2001 wieder aufgebaut.

Der schwarze Klotz des Okkupationsmuseums, der aus Sowjetzeiten stammt, riegelt den Rathausplatz zur Daugava hin ab. Hier bemüht man sich seit Lettlands Unabhängigkeit, das Trauma der dreifachen Besetzung – 1939 Sowjetunion, 1941 Deutschland, 1944 wieder Sowjetunion – angemessen zu dokumentieren.

Denkmal für die Lettischen Schützen vor dem Okkupationsmuseums

Denkmal für die Lettischen Schützen vor dem Okkupationsmuseums

Vor dem Okkupationsmuseum erinnert das Denkmal für die Lettischen Schützen mit den drei riesigen Soldaten aus rotem Granit an die Freiwilligen, die mit den Bolschewiken für die Revolution kämpften.

Jakobsbaracke, gegenüber Stadtmauerüberreste

Jakobsbaracke, gegenüber Stadtmauerüberreste

Ein langes, niedriges Reihenhaus, das sich über mehrere hundert Meter hinzieht, ist die Jakobsbaracke, eine ehemalige Kaserne. Es existiert hier keine Straßenebene, das heißt, in den Keller führen einige Stufen hinab, und ins Erdgeschoss gelangt man über kleine Treppen nach oben.

Schwedentor

Schwedentor

Gegenüberliegend befindet sich das Schwedentor, das die Schweden 1698 durch ein mittelalterliches Wohnhaus brachen – das einzig erhaltene von einst 25 Stadttoren. Parallel verläuft ein Graben, in dem die Überreste der einst so gewaltigen Stadtmauer zu sehen sind.

Pulverturm (links) und Haus mit Wappen der lettischen Städte

Pulverturm (links) und Haus mit Wappen der lettischen Städte

Auch der imposante Pulverturm belegt, wie mächtig die Anlage war, die Rīga früher umgab – im Mittelalter sicherten 28 solcher Türme die Stadt.

In der nächsten Straße stoßen wir auf die Gildehäuser. Die Gilden stellten im gesellschaftlichen Leben des 13. bis 20. Jahrhunderts wichtige Institutionen dar. Deutschstämmige Kaufleute, Juweliere und Schriftgelehrte waren in der Großen Gilde, Handwerker in der Kleinen Gilde organisiert. Letten und Liven hatten keinen Zutritt.

Katzenhaus

Katzenhaus

Davon erzählt auch das Katzenhaus, das ein lettischer Kaufmann 1909 gegenüber dem Haus der Großen Gilde erbaute, nachdem ihm diese die Aufnahme verweigert hatte. Eine der zwei Katzen auf dem Dach zeigte den Gildebrüdern unverschämt das Hinterteil. Die empörten deutschen Kaufleute handelten daraufhin mit dem Letten einen Kompromiss aus: Man würde ihn aufnehmen, wenn er die Katze umdrehe.

Die gedrehte Katze

Die gedrehte Katze

Kleine Gilde (rechts)

Kleine Gilde (rechts)

Das Haus der Kleinen Gilde, in dem es heute Konzerte gibt, wurde 1864 neu erbaut.

Maler auf dem Platz der Liven

Maler auf dem Platz der Liven

Russisches Theater am Platz der Liven

Russisches Theater am Platz der Liven

Die Lettische Nationaloper

Die Lettische Nationaloper

An diesem Tag haben wir viele Eindrücke dieser schönen Stadt gewinnen können, und nach zwölf Fußkilometern beschließen wir unsere Stadterkundung bei einem kühlen Bier.

Morgen  geht’s mit dem Motorrad weiter gen Norden.

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