Namibia-Tour: Von Windhoek nach Kapstadt

Am 17. Oktober bringe ich die BMW zu einer Spedition in Norderstedt, die sich um sachgerechtes Verpacken und Transport inklusive Zollangelegenheiten nach Walvis Bay in Namibia kümmert.  Das klappt super, und man schickt mir vor dem Verschiffen noch ein Foto vom Motorrad zu.

Sicher verpackt geht's auf die Reise :-)

Sicher verpackt geht’s auf die Reise 🙂

In den nächsten Wochen habe ich täglich Gelegenheit zu verfolgen, in welchen Gewässern oder Häfen die Red Cedar sich aktuell befindet.

Am 4. Dezember fliege ich von Hannover über Frankfurt nach Windhoek und von dort weiter in die Hafenstadt Walvis Bay, wo mein Motorrad auf mich wartet.

Am Walvis Bay Airport

Am Walvis Bay Airport

Nach einer Übernachtung begebe ich mich zum Hafen, wo das Motorrad bereits durch den Zoll und die Fahrgestellnummer notiert ist.

Professionell verzurrt

Professionell verzurrt

Da der Tank für den Containertransport leer sein musste, wird nun erstmal getankt, bevor ich mich auf den Weg in die Hauptstadt Windhoek mache.

Dune 7 bei Walvis Bay

Dune 7 bei Walvis Bay

Die Dune 7 ist eine 130 Meter hohe Sterndüne in der Nähe der Walfischbucht, das heißt, sie wandert nicht mehr, sondern ihr Sand wird ständig wieder umgeschichtet. Der Aufstieg ist anstrengend und nur mit ausreichend Wasser anzutreten; ich überlasse ihn den Fußgängern und fahre weiter.

Kurzer Stopp in Swakopmund

Kurzer Stopp in Swakopmund

Die Küstenstadt Swakopmund ist ein beliebter Ferienort, der 1892 von deutschen Kolonisten gegründet wurde.

Nach gut 400 Kilometern erreiche ich Windhoek, wo ich morgen drei weitere Motorradfahrer mit Leihmaschinen und den Namibier Dyrk treffe, der die Tour organisiert und uns im Geländewagen mit Hänger – für den Notfall – begleiten wird.

"Begrüßung" in Windhoek

„Begrüßung“ in Windhoek

Christuskirche

Christuskirche

Ursprünglich war die am Hang über Windhoek thronende, evangelische Christuskirche von überall in der Stadt zu sehen. Das ist nicht mehr so, seit es Hochhäuser gibt, aber gepredigt wird immer noch jeden Sonntag um zehn Uhr auf Deutsch.

Independence Memorial

Independence Memorial

Gegenüber der Christuskirche grüßt heute am Independence Memorial statt eines kolonialzeitlichen Reiterdenkmals Sam Nujoma, der erste Präsident des unabhängigen Namibias, in Form einer Statue.

Diesen Zaun überwindet nichts und niemand

Diesen Zaun überwindet nichts und niemand

Die Angst besitzender Bürger vor Übergriffen wird durch Zäune dieser Art deutlich sichtbar.

Zu fünft beginnt  unsere Tour Windhoek – Cape Town am nächsten Tag.

Meine drei zweirädrigen Mitstreiter Mario, Urs und Hans-Peter

Meine drei zweirädrigen Mitstreiter Mario, Urs und Hans-Peter

Auf staubigen Pisten ist ein Ein-Kilometer-Abstand zum Vorausfahrenden sinnvoll, damit die Sicht gewährleistet ist und wir nicht nur Staub schlucken.

Giraffen an der Piste beäugen mich misstrauisch

Giraffen an der Piste beäugen mich misstrauisch

Auf dem Spreethoogte-Pass

Auf dem Spreethoogte-Pass

Zwischen den Ortschaften Solitär und Rehoboth durchquert der 1275 Meter hohe Spreethoogte-Pass die Rantberge mit bis zu zweiundzwanzig Prozent Steigung; er ist einer der steilsten Gebirgspässe in Namibia.
Der Blick reicht bis zur Wüste Namib. An dieser Randstufe haben sich vor 120 Millionen Jahren aus dem einstigen Gondwana Afrika und Südamerika getrennt.

Unterwegs auf einsamer Piste

Unterwegs auf einsamer Piste

Die Motorräder sind ohne Gepäck auf diesen Pisten einfacher zu handeln, und da wir nur vier Zweiradfahrer sind, verstauen wir unsere Gepäcktaschen in Dyrks Wagen.

Camp in Sesriem

Camp in Sesriem

Heute heißt es früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang im Dünengebiet zu erleben. Sossusvlei ist eine von roten Sanddünen umschlossene Lehmsenke; mit bis zu über 380 Meter Höhenunterschied gehört sie zu den höchsten der Welt. Die orange-rote Farbe entsteht durch Eisenoxid – quasi eine rostige Eisenhülle um die Sandkörner, die hier, anders als am Atlantik, nicht durch Wellen abgerieben wird.

Im Sossusvlei, seit 2013 Teil des UNESCO-Welterbes

Im Sossusvlei, seit 2013 Teil des UNESCO-Welterbes

Da im Nationalpark keine Motorräder zugelassen sind, wechseln wir in den Begleittruck.

Blick aus Dyrks Allradfahrzeug

Blick aus Dyrks Allradfahrzeug

Während einer Dünenwanderung genießen wir Weite und Stille des orangefarbenen Dünenmeers

Während einer Dünenwanderung genießen wir Weite und Stille des orangefarbenen Dünenmeers

Weiter geht es entlang am riesigen Namib Naukluft Nationalpark durch endlose Flächen, die von Antilopen durchkreuzt werden.

Gnus an der Piste

Gnus an der Piste

Auf bequemem Asphalt fahren wir runter zum Atlantik nach Lüderitz und besuchen Kolmanskop; von der einst reichsten Stadt Afrikas zur Diamantenzeit ist nur noch eine Geisterstadt übriggeblieben, in die die riesigen Wanderdünen mehr und mehr Einzug halten.
Die Stadt liegt noch immer im Diamantensperrgebiet, darf aber mit Auflagen besucht werden. Wer sich bückt, ist verdächtigt; aufheben dürfen wir nichts. Während eines geführten Rundgangs zwischen alter Eisfabrik und Schulhaus wird die Geschichte des zu Beginn des Diamantenbooms 1908 gegründeten Ortes wieder lebendig.

Eisfabrik

Eisfabrik

Hier in dieser lebensfeindlichen Region lebten bis zu vierhundert Menschen in teilweise hochherrschaftlichen Steinhäusern mit einer umfänglichen Infrastruktur. Das Krankenhaus enthielt die erste Röntgenstation in Afrika, und jeder, der die Stadt verließ, wurde vorher geröntgt, um auszuschließen, dass er Diamanten aus Kolmanskop schmuggelte! Neben einer Eisfabrik, die Blockeis für die Eisschränke der Einwohner herstellte, gab es einen kleinen Laden und Metzger, ein Theater, eine Turnhalle, selbst eine Kegelbahn und eine Schule waren vorhanden.

Kegelbahn

Kegelbahn

Schulhaus

Schulhaus

1930 wurde der Diamantenabbau eingestellt und der Ort verwaiste. In den zunehmend verfallenen Häusern häuft sich der Dünensand meterhoch. In den 1990er Jahren begann man erhaltenswerte Gebäude zu restaurieren und führt Kolmanshop heute als Museumsort.

Während der Weiterfahrt gerate ich in eine missliche Situation: Bei nur etwa 20 Stundenkilometern rutscht mir das Motorrad zur Seite weg, und statt die Maschine einfach umfallen zu lassen, reagiere ich intuitiv und setze das rechte Bein auf, wobei ich das Knie verdrehe – Mist!  An Gehen ist nicht zu denken, und Dyrk schleppt mich zu einem Arzt. Ein Röntgengerät gibt es hier nicht, und nach Hin- und Herdrehen des Knies wird klar, dass die Bänder in Ordnung sind. So versorge ich in den Folgetagen mein anschwellendes Knie mit Müller-Wohlfahrt-Salbe und Ibuprofen. Man organisiert mir gebrauchte Gehhilfen. Wann immer notwendig schleppen die anderen Motorradfahrer mein Gepäck und nehmen mir die Krücken zum Verstauen im Begleitfahrzeug ab, wenn ich wieder auf der Adventure-Sitzbank angelangt bin.

Fish River Canyon

Fish River Canyon

Untergehakt von den anderen humpele ich an den Felsrand, um diesen wunderbaren Blick auf den Fish River Canyon zu haben.

550 Meter tief liegt der Fluss in der ansonsten eher flachen Steppe Namibias. Mit 160 Kilometern Länge und 27 Kilometern Breite gilt der Fish River Canyon nach dem Grand Canyon als zweitgrößte Schlucht der Welt. Entstanden ist er jedoch nicht durch den Flusslauf, sondern durch das Auseinanderdriften der Kongo- und der Kalahariplatte. Der Fluss stellt außerhalb der Regenzeit nur noch eine Kette lehmiger Tümpel dar.

Wir nähern uns der Grenze nach Südafrika. Die Piste schlängelt sich durch den Canyon des Oranje Flusses. Wasser und Wüste! Urplötzlich sehen wir Traubenanbau in der Wüstenlandschaft.

Rebstöcke ragen aus der Wüstenlandschaft hervor

Rebstöcke ragen aus der Wüstenlandschaft hervor

Barracken der Arbeiter

Barracken der Arbeiter

In solchen Barracken hausen die  Arbeiter während der Weinlese unter widrigen Bedingungen – kein Strom, kein Wasser, keine Sanitäranlagen!

Grenzfluss Oranje

Grenzfluss Oranje

Die Grenzformalitäten sind rasch abgewickelt, und nun sind wir in Südafrika.

Gravel road - Schotterpiste voraus

Gravel road – Schotterpiste voraus

Übernachten in den Cederbergen

Übernachten in den Cederbergen

Im Cape Wineland District

Im Cape Wineland District

Nach mehreren Passabschnitten und einer Schotterpisten-Abfahrt aus den Cederbergen haben wir nun Asphalt unterm Reifen und erreichen Kapstadt, eine der am schönsten gelegenen Städte der Welt.

Übernachten im idyllischen Vorort Melkbos

Übernachten im idyllischen Vorort Melkbos

Unsere Abschlusstour führt uns auf die Kap-Halbinsel. Am Boulders Beach beobachten wir eine Kolonie Brillenpinguine.

Aufmarsch der Frackträger

Aufmarsch der Frackträger

Bruthöhlen der Brillenpinguine

Bruthöhlen der Brillenpinguine

Wir fahren weiter südwärts zum Kap der Guten Hoffnung.

Am südwestlichsten Punkt Afrikas

Am südwestlichsten Punkt Afrikas

Das Kap der Guten Hoffnung wurde wegen seiner Klippen gefürchtet. Denn direkt an der Küste dehnt sich unter Wasser eine ausladende Felsenlandschaft aus; die meisten Felsen befinden sich nur 50 bis 300 Zentimeter unter der Wasseroberfläche.
Eine weitere Gefahr geht von den starken Winden aus, sodass Segelschiffe, selbst wenn sie das Kap weit umfuhren, Richtung Küste gedrückt wurden und auf die Felsen aufliefen. Mehr als 20 Schiffswracks liegen hier auf dem Meeresgrund.

Auf dem Chapman’s Peak Drive

Auf dem Chapman’s Peak Drive

Der Weg zurück in die Stadt führt uns über den mautpflichtigen Chapman’s Peak Drive, eine schöne Küstenstraße, die Anfang der 1920er Jahre in den Fels gehauen wurde. Mit 114 Kurven auf neun Kilometern, steilen Felsen oberhalb und dem tosenden Meer unterhalb der Straße ist das eine wirklich spektakuläre Küstenfahrt!

Beeindruckender Felsüberhang auf dem Chapman’s Peak Drive

Beeindruckender Felsüberhang auf dem Chapman’s Peak Drive

Eine schöne Tour mit angenehmen Mitfahrern geht zu Ende. Die anderen reisen nach Hause zurück, und ich habe nun zehn Tage Zeit bis zur geplanten Trans-Afrika-Tour von Kapstadt nach Kairo.

Ein Gedanke zu „Namibia-Tour: Von Windhoek nach Kapstadt

  1. Karl-Heinz Mädge

    Moin Frank,
    Als erstes nochmal`s alles Gute zu deinem Geburtstag nachträglich. Gleichfals wünschen wir dir ein frohes und gesundes Jahr 2019 ohne Missgeschicke und üble Pannen.
    Ich verfolge deine Tour mit Spannung. Es ist sehr interessant und spannend was kommt. Ich hoffe dein Knie ist wieder in Ordnung und du deine Tour ohne Probleme fortsetzen kannst. Wir wünschen dir dafür alles Gute.
    Viele liebe Grüße
    Kuddel und Gila

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