Кыргыз Республикасы – Kirgisistan (2)

Von Karakol aus fahre ich nach Südwesten in Richtung Terskej-Alatau Bergkette. Unbefestigte schmale Wege führen mich durch kleine Dörfer ins Jeti Öghüz Tal. Unerwartet endet der Weg an einem Feld, auf dem Menschen arbeiten. Sie zeigen mir, dass ich über das Feld fahren soll, was auch mein Navigationsgerät vorschlägt. Also folge ich dem Hinweis, und tatsächlich taucht nach wenigen hundert Metern der Feldweg wieder vor mir auf.

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Weg nach Jeti Öghüz über kleine Dörfer

Nach einer Weile erreiche ich asphaltierte Straße, die stetig bergan führt bis Jeti Öghüz. In diesem kleinen Ort gibt es ein Sanatorium von 1932, in dem ich übernachte. Hier bade ich in einem Bassin mit heißem Quellwasser, genauso wie der damalige russische Präsident Boris Jelzin, der hier 1991 den ersten kirgisischen Präsidenten kennenlernte.
Sogar der russische Kosmonaut Yuri Gagarin erholte sich im Jeti Öghüz Sanatorium.

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Schwimmbad im Sanatorium

Am nächsten Morgen sehe ich Razbitoye Serdtse  – Broken Heart. Der Legende nach vergossen zwei Freier ihr Blut im Kampf um eine schöne Frau; beide starben, und dieser Felsen ist das gebrochene Herz der Frau.

Razbitoye Serdtse - Broken Heart

Razbitoye Serdtse – Broken Heart

Ich will grad weiterfahren, da steigen sechs Leute aus einem Auto. Einer schnappt trotz meines Protestes (denn ich weiß anfangs nicht, was er vorhat) mein Fahrrad, positioniert es, und dann werden Fotos ohne Ende gemacht! Natürlich krame ich jetzt auch meine Kamera heraus.

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Kirgisische Familie am Broken Heart

Auf der anderen Seite des Jeti Öghüz Tals erhebt sich eine massive Wand namens Seven Bulls. Auch sie hat eine Geschichte:  Sieben Kälber wuchsen im reichhaltigen Weideland des Tals zu großen und starken Stieren heran.

Seven-Bulls

Seven Bulls

Auf dem Rückweg zum Issyk Kul rette ich einen Falter von der Straße.

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Falter auf befahrenem Gebirgsweg …

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… gerettet mit einem Stöckchen

In einem kleinen Ort kaufe ich ein Brot, das an den Wänden eines tönernen Ofens gebacken wird.

Bäcker

Brot aus tönernem Ofen

Es ist noch herrlich warm. Ich verlasse zügig den Ort, suche mir einen Rastplatz abseits der Straße, setze mich auf meine Zeltrolle und genieße das noch warme Brot mit einer Banane und Wasser – hm, lecker.
Zwei russische Radfahrer, die von Tajikistan zurückkommen, halten für einen kurzen Austausch an. Sie wollen nach Almaty und von dort aus nach Moskau zurückfliegen.

Radfahrer-aus-Russland

Radfahrer aus Russland

In Tamga steige ich erneut in einem Sanatorium ab, denn es gibt dort WLAN.

Paul und Alinna, die beiden habe ich zuletzt in Baku bei einem Nachtessen mit vielen Tourenfahrenden gesehen, treffe ich tags darauf kurz vor Ton; immerhin liegt die letzte Begegnung eine Schifffahrt, eine Zugfahrt und mehr als 2200 Fahrradkilometer zurück!
An den Rädern stehend tauschen wir uns ausgiebig aus. Schließlich verabschieden wir uns voneinander, denn leider werden wir in entgegengesetzter Richtung weiterfahren.

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Paul aus Australien und Alinna aus der Schweiz

Ich fahre zum Kara Köl, dem Schwarzen See – ein Salzsee.
Auf dem Pass treffe ich zwei deutsche Radfahrer. Wir tauschen uns über unsere Reiserouten und über technische Details aus; sie kennen Norvid-Fahrräder, und einer fährt ebenfalls mit einer Rohloffnabe.
Die beiden haben sich unterwegs kennengelernt und fahren schon eine ganze Weile zusammen. China planen sie noch gemeinsam zu bereisen, danach werden sich ihre Wege wohl trennen.

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Zwei Informatiker aus Deutschland

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Kara-Köl, der Schwarze See, ist sehr salzhaltig

Die Nacht verbringe ich in einem Guest house ohne Elektrizität und ohne Wasser. Abends wird für kurze Zeit ein Dieselgenerator angerissen, um uns mit Strom zu versorgen.
Weil es keine Dusche gibt,  schwimme ich im See. Meine Badehose ist nach dem Trocknen richtiggehend pappig vom Salzwasser.

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Guest house ohne Strom und Wasser neben Jurten

Ich fahre zum zweiten Mal nach Balykchy  und steige in dem Hotel ab, in dem ich schon einmal war, denn unterwegs gibt es nichts an Unterkünften. Heute habe ich den 7000sten Kilometer auf meiner Tour gemacht!

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7000 Kilometer gesamt

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Schneebedeckte Gipfel nahe des Issyk Kul

Die höchsten Erhebungen des kirgisischen Tienschan Hochgebirges erreichen immerhin 7439 m  und 7134 m. Bis in eine Höhe von 1500 m besteht Kirgisistan aus Wüste, die von Steppe abgelöst wird. Ab 4000 m herrschen alpine Wiesen vor. In den Wäldern leben Reh, Bär, Marder, Wildschwein und Luchs.

Kinder-in-Schuluniform

Kinder in Schuluniform in Bokonbayevo

Einheimischer

Einheimischer mit typischer Kopfbedeckung

Geöffnete-Gräber-auf-verwahrlostem-Friedhof

Geöffnete Gräber auf verwahrlost wirkendem Friedhof – ein Anblick, den ich des Öfteren erlebe

Flussüberquerung

Ungewöhnliche Flussüberquerung

Ein Gedanke zu „Кыргыз Республикасы – Kirgisistan (2)

  1. Adolf Timmermann

    Hallo, Weltenbummler Frank!
    Vielen Dank für den Bericht „Kirgistan (2)“. Nun bist du ja mit „allen Wassern gewaschen“. Deine Begegnungen, Erlebnisse und Abenteuer enden nicht. Der arme Robinson Crusoe. Er war ja auch lange weg von zu Hause. Aber seine Erlebnisse dagegen auf der kleinen Insel waren doch recht dürftig. Und wer hat schon in der Badwanne gelegen, in der sich einst Jelzin und Gagarin erholten? Und wo gibt es sonstwo ein so großes steinernes und gebrochenes Herz zu sehen? Der kleine Schmetteling wird die eweig dankbar sein. Hier in Celle sind die Tagesereignisse eher recht übersichtlich. Gestern habe ich an der 34. Oker-Herbstfahrt der Kanuten teilgenommen. Langsam fallen dier ersten Blätter und einige Geschäfte verkaufen schon Weinachtsartikel. Die brüllend heißen Tage sind auch vorbei. Am letzten Mittwoch war wieder Seniorentreff. Da wurde natürlich auch wieder über Frank on tour gesprochem.
    Wir freuen uns auf deinen nächsten Bericht. Viel Freude und eine bunte Palette angenehmer Abenteuer wünschen Adolf und Co aus Wietzenbruch,
    PS: Genieße weiterhin jeden Tag – auch wenn es manchmal anstrengend wird.

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