Nine million and one bicycles in Beijing

Es ist soweit: Nach tagelangem Packen und Verstauen meines Fahrrads in einem maßgenau zugeschnittenen Riesenkarton beginne ich Teil 2 meiner Reise am 7. März 2014.  Am Flughafen Hannover ernte ich ein Grinsen, weil ich ausgerechnet ein Fahrrad mit nach Peking nehme …

Nach zwölfstündigem Flug mit Zwischenstopp in Istanbul erreiche ich den Flughafen von Beijing. Ich halte Ausschau nach einem Schild mit meinem Namen, denn mit dem Hotel ist verabredet, dass man mich wegen meines Fahrradkartons mit einem großen Fahrzeug abholt. Nach kurzer Zeit entdeckt mich der Fahrer, zeigt mir sein Handy, auf dem mein Name steht – er spricht kein Wort Englisch – und nimmt mich mit. Gemeinsam hieven wir das Riesenpaket mit dem Fahrrad ins Fahrzeug.

Auf dem Weg ins Zentrum passieren wir zahlreiche kleine Gassen. Die Luft in Peking ist besser, als ich dachte – es gibt keinen Smog mehr, und ich bin wirklich erleichtert. Nur einige wenige Menschen tragen Mund- und Nasenschutz. Es ist sprichwörtlich der Bär los: hunderte Lampions zieren die Straßen vor den Restaurants, in denen sich die Menschen tummeln. Die Gassen sind so schmal, dass das Taxi an der Hauptstraße halten und wir das Fahrrad noch einige 100 Meter zu meiner Unterkunft  tragen müssen.

Ich komme in dem kleinen Hotel in 28 Mao’er Hutong (帽儿胡同28) an, und die erste Tat ist Schuhe ausziehen. Die freundliche Wirtin reicht mir Latschen zum Überziehen. Da mein Fahrrad noch im Karton ist, darf es mit in mein Zimmer mit Fenster zum Flur.

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Angela, die freundliche Wirtin

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Familien geführtes kleines Hotel in 28 Mao’er Hutong

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Im Flur des Hotels

Bei den Wohnhäusern in den Hutongs handelt es sich meistens um komplett ummauerte Wohnhöfe. Der Weg in das von außen nicht einsehbare Innere führt über eine erhöhte Türschwelle, und man ist abgeschieden von dem Treiben außerhalb.

In Beijing sind in der Gegend um den Glockenturm und den Trommelturm noch viele Hutongs gut erhalten; sie bieten den Bewohnern praktisch alles, was sie zum Leben brauchen: es gibt Geschäfte, Restaurants und Märkte.

In den nächsten Tagen erkunde ich Beijing zu Fuß. Ich schlendere durch die Nanluogu Xiang, eine knapp 800 Meter lange und etwa acht Meter breite Straße. Sie wurde im Jahr 1267 erbaut und war Teil eines größeren Marktgebiets. Die traditionelle Architektur macht den besonderen Reiz dieser Hutong aus.

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Nanluogu Xiang

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Abends in der Nanluogu Xiang

Trommeltürme sind in alten chinesischen Städten oder in traditionellen Tempeln errichtete Gebäude für darin aufgestellte große Signaltrommeln. Üblicherweise bilden Glockenturm und Trommelturm ein architektonisches Paar. Sie finden sich meist im Ortskern, und man verwendete sie in früheren Zeiten auch für Zeitangaben oder Feierlichkeiten. Der Trommelturm in Peking wurde mit dem Kaiserpalast etwa 1420 erbaut.

Trommelturm-1

600 Jahre alter Trommelturm

Trommelturm

Im Trommelturm

Der gedrungene und einfachere Glockenturm entstand nach einem Brand 1747 neu, diesmal ganz aus Steinen. Seine Konstruktion ist so sicher, dass selbst schwerste Erdbeben ihm bisher nichts anhaben konnten.
Im alten China wurde der Tag in Doppelstunden eingeteilt. Ausgangspunkt war sieben Uhr abends, dann wurde die große Trommel dreizehn Mal geschlagen, womit die Uhr als gestellt galt. Danach gab es alle zwei Stunden nur einen einzigen Schlag, tagsüber auf der Glocke, nachts auf der Trommel.

Glockenturm

Glockenturm

Glocke

Glocke mit Schlägel

Qianhai-Hu-See

Promenade am Qianhai-Hu-See

Qianhai-Hu-See-mit-Trommelturm

Qianhai Hu See mit Trommelturm

Der Jingshan Park gehörte anfangs des 20. Jahrhunderts noch zur Verbotenen Stadt, bis die Mauern abgerissen wurden und eine Straße mitten durch dieses Gebiet gebaut wurde, wobei mehrere Tore und Gebäude zwischen dem Park und dem Hintereingang des Kaiserpalasts zerstört wurden.

Im Jingshan Park

Im Jingshan Park

Aufgang-im-Jingshan-Park

Steiler Aufstieg im Jingshan Park

Der Hügel im Jingshan Park wurde mit der Erde errichtet, die für den Bau des Festungsgrabens um den Kaiserpalast abgetragen werden musste. Vom Gipfel des Hügels hat man eine wunderbare Aussicht auf die Verbotene Stadt und einen großen Teil Pekings. Auf dem Hügel stehen fünf Pavillons. Das Betreten der Pavillons  und Fotografieren der Buddhafigur ist allerdings nicht gestattet.

Buddhafigur

Buddhafigur in einem Pavillon

Musikanten im Jingshan Park

Musikanten im Jingshan Park

Man sieht musizierende Menschen mit ungewöhnlichen Instrumenten, die einfach nur spielen, ohne Geld sammeln zu wollen. Vielfach tanzen Menschen einfach nur so zur Musik.

Tanzende-Menschen

Tanzende Menschen im Park

CIMG2344 Dach ohne Nägel

Ohne jegliche Nägel gefertigtes Gebäude

 

8 Gedanken zu „Nine million and one bicycles in Beijing

  1. Christian

    Aloha Frank,

    Klaus hatte mir schon erzählt dass es für Dich weitergehen wird. Ich freue mich sehr für Dich und wünsche Dir in den nächsten Wochen und Monaten viel Glück und alles Gute.

    Liebe Grüße aus München

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  2. Elke aus Gambia

    Hi lieber Frank

    endlich der erste Bericht, werde jetzt in Zukunft deine Reise verfolgen…..

    Druecke dir die Daumen, dass alles nach deinen Wuenschen verlaeuft, dir das Wetter immer wohlgesonnen ist, du keine Probleme hast und dich deine Ausdauer und Gesundheit nicht verlaesst !!!!!

    Wir bleiben in Kontakt……

    Alles Gute 🙂 Elke

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  3. Bianca

    Juchhu,

    der Frank ist wieder unterwegs. Wenn wir dich auch schmerzlich vermissen werden bei unseren Zockerrunden, ich freu mich auf spannende Erzählungen und schöne Bilder von deiner Weiterreise um die Welt. Schon mit deinem ersten Bericht hast du uns in eine fremde Welt entführt und Lust auf mehr gemacht. Ich wünsche dir weiter so freundliche Begegnungen mit fremden Menschen wie bisher, immer genug Schmiere und Luft am Rad und bleibe bei bester Gesundheit und wie heißt es so schön…Gegenwind formt den Charakter!

    Alles Gute für Dich
    Bianca

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  4. Kuddel Mädge

    Moin Frank,
    es ist so weit, du bist wieder auf Tour.
    Wir wünschen Dir alles Gute und vor allem Gesundheit auf Deiner neuen Reise,
    lasse die Vorsicht vor dem Risiko.
    Gruß
    Kuddel

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  5. Christa Schmedthans

    Hallo Frank, habe gestern mit Katrtin gesprochen und kann Dich nun wieder auf Deiner Tour “ verfolgen“. Ich wünsche Dir alles Gute, dass Dir immer nette Menschen begegnen und Du viel Freude hast. Jeden Tag ein bisschen Sonnenschein, und abends ein sanftes Ruhekissen. Liebe Grüße Christa aus der Heide

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  6. Mirja

    Hallo Frank,
    eigentlich wollte ich dich vor deinem Abflug zur Weltreise Teil 2 noch angerufen haben, aber plötzlich war schon der 08. März…verdammt, kam so überraschend…
    Freu mich schon auf viele neue Geschichten von dir uns reise wie immer mit dem Finger auf der Landkarte mit!
    Komm gut wieder rein in die Pedale und mach uns alle neidisch mit deinen Berichten!
    Liebe Grüße,
    Mirja

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  7. die Dresdner

    Hallo lieber Frank,
    wo oft geht Dir in den ersten Tagen Deiner China-Etappen Katie Meluas Song bzw. Dein Reisemotto von den „Nine Million Bicycles“ durch den Kopf? Wie fühlt sich Radfahren mit so vielen „Begleitern“ an?
    Fragen über Fragen … leider haben wir es nicht geschafft, Deine bisherigen Etappen mal an einem Winterabend in Celle zu besprechen. Wir müssen das unbedingt nachholen!
    Jetzt wünschen wir Dir aber erst einmal eine gute Fahrt, interessante Erlebnisse und immer „gut Luft“ auf den Reifen!!! Mit großer Spannung warten wir auf die regelmäßigen Berichte!
    Alles Gute und herzliche Grüße aus Dresden

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    1. Adolf Timmermann

      Hallo, Frank, danke wieder für die farbenfrohen Aufnahmen und die tollen Berichte. Kaum zu glauben, was du alles erlebst. Wenn du deine Reise beendet hast, könntest du deine Berichte zu einem Buch zusammenfassen. Das wird ein Bestseller! Genieße jeden Tag, auch wenn mal was nicht klappt oder wenn du mal einen „Durchänger“ haben solltest. Wir denken an dich und drücken dir die Daumen und werden jedes Mal beim Betrachten deiner Sendungen vielleicht auch ein wenig neidisch. Du bist schon ein „erfahrener Mann“ im wahrsten Sinne des Wortes und wirst jeden Tag noch erfahrener. Erstaunlich, dass du bei den vielen Erlebnissen immer noch die Muße findest, so schöne Berichte zu verfassen. Hier in Celle vermisst du nicht ganz viel: Täglicher Stau in Altencelle, Wasa-Lauf und Anpaddeln der Kanuten. Dieser Verlust lässt sich gerade noch verschmerzen. Nun wünschen wir dir weiterhin viel Schwung, Kraft und vor allem Freude auf deiner Reise. Bis demnächst.
      Alles Gute wünschen die Wietzenbronxer Adolf, Leni, Kathrin und Felix

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