Das Schwarze Meer

Frachter

„Mein“ Frachter in Beloslav, Bulgarien

Um  9 Uhr komme ich aus Varna mit dem Fahrrad in Beroslav an, erledige alle Formalitäten und gehe an Bord.
Nachts um 1.30 Uhr legt das Schiff dann endlich ab!

An Bord sind 18 Passagiere, ausschließlich Männer:  17 Lkw- und ein Radfahrer sowie die Crew. Ich begegne Lkw-Fahrern aus Armenien, die sehr freundlich sind. Morgens gibt es so gut wie kein Frühstück, nur ein abgepacktes Croissant, sonst nichts. Einer der zehn armenischen Fahrer – sie sitzen eng beieinander, damit alle gemeinsam an einem Tisch Platz finden, springt auf, bietet mir seinen Stuhl an, holt mir Essbesteck, schenkt mir ein Glas Wasser ein und macht mir ein Sandwich mit Kochwurst. Zwei von ihnen sprechen ganz gut Deutsch.

Am nächsten Tag teile ich mit drei Aserbaidschanern einen Tisch. Einer von ihnen zeigt mir seinen Truck, auf dem gebrauchte Autoteile transportiert werden. Der Lkw ist überladen, die Reifen gleichen Slicks, und teilweise sind die Profile nachgeschnitten. Unser TÜV würde den sofort still legen, aber hier ist eben alles ein bisschen anders.

Tisch-an-Bord

Mit den dreien aus Aserbaidschan teile ich den Tisch. Das in der Mitte ist Elshan.

Elshan gibt mir seine Telefonnummer. Ich soll ihn anrufen, wenn ich in Baku ankomme; er wird mir dann die Stadt und die Umgebung zeigen. Er besitzt einen Lkw, auf dem ein zweiter Lkw ist, auf dem sich ein Mercedes Bj. 2001 befindet. Die Fahrzeuge hat er über das Internet in Deutschland gekauft und bringt sie nun nach Hause.

Beim Essen gibt es ein Geschmatze und Geschlürfe. Ich werde auf ein gut gekühltes 5-Liter-Fass Bier in ihre Kabine eingeladen. Da gibt es Salat, den man mit den Fingern isst und Wodka, den man aus Kunststoffbechern trinkt. Sonnenblumenschalen liegen über den Fußboden verstreut. Ich erfreue mich der unkomplizierten Gastfreundschaft und meiner eigenen Kabine mit Toilette und Dusche ganz für mich allein, denn der zweite Schlafplatz ist nicht belegt worden.

on board the ship

Sonnenuntergang auf dem Meer

Das Essen an Bord ist besser als befürchtet. Es gibt zwar die avisierten Würstchen, aber auch Anderes, wie beispielsweise Nudeln mit einem Käsestück – wenn auch zum Frühstück. Oft hat man Bratwurst und Hähnchen, mittags auch mit Salat. Hähnchenfleisch werde ich in den nächsten Wochen nicht unbedingt verzehren …

Ich treffe auf einen georgischen Ingenieur namens Soso, der gut Deutsch spricht. Auch er gibt mir seine Telefonnummer. Wenn ich Schwierigkeiten habe, egal wo und wann, kann ich ihn jederzeit anrufen, und er wird mir helfen, als Dolmetscher oder wie auch immer.  Er wohnt 15 km von Tiflis entfernt. Aus Deutschland hat er ein Feuerwehrauto geholt, das in Batumi bleibt. Es ist noch gut in Schuss.

Am zweiten Tag zeigt mir Soso zwei Delphine, die uns backbord eine Weile begleiten. Am Folgetag sind auf Steuerbordseite annähernd 70 Delphine, die mit dem Schiff mitschwimmen, unterdurch tauchen und sichtbare Freude haben. Sie schwimmen schnell und zeigen uns perfekte Synchronsprünge. Ein beeindruckendes und faszinierendes Schauspiel! Sie begleiten uns bis fast nach Batumi.

Delfin-1

Delfin

Delfin-2

Springende Delfine

Eine tolle Truppe bilden all diese Männer verschiedener Nationalität an Bord, und ich fühle mich keinen Moment lang unsicher oder unwohl.

Soso wird von einem Fahrer der örtlichen Behörde nach Tiflis gefahren werden. Ob ich ihn wiedersehen werde?

Es ist der 4. Juni. Seit 13 Uhr ist das Schiff in Batumi, Georgien. Wir sind hier zwei Stunden weiter in der Zeit als in Deutschland. Um 18 Uhr warten wir immer noch auf Polizei und Zoll, um von Bord zu können … Glücklicherweise müssen wir den Hafen nicht wieder verlassen. Am 5. Juni morgens um 11 Uhr erhalte ich den Einreisestempel in meinem Reisepass.

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